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Ist zu wenig Bewegung gesundheitsgefährdend?

Autorenbild: Josephin WinterJosephin Winter

Die Bedeutung von körperlicher Aktivität für die Gesundheit


In unserer Gesellschaft verschwindet die Bewegung zunehmend aus dem Alltag. Daraus folgt ein Bewegungsmangel in großen Teilen der Bevölkerung und dieser gilt als einer der größten Gesundheitsrisiken der heutigen Zeit. Nach Studien der World Health Organisation (WHO) ist mehr als die Hälfte der Europäer körperlich zu inaktiv, Tendenz steigend. Durch Technologiefortschritte und Homeoffice wird es uns auch nicht gerade leicht gemacht, ein bewegungsaktives Leben zu führen. Unser Arbeits- und Freizeitaktivitäten machen es uns auch nicht leichter, uns mehr zu bewegen. Doch ist körperliche Aktivität so wichtig für den Körper und wie viel ist überhaupt notwendig?



Was ist körperliche Aktivität und wieviel braucht der Mensch?

Nach der Definition der WHO wird unter „körperlicher Aktivität” nicht nur Sport, sondern jede Bewegung verstanden, die durch die Skelettmuskulatur hervorgerufen wird. Das heißt, Spazieren gehen und Radfahren zählen genauso zur Aktivität, wie die Haus- oder Gartenarbeit und das Tragen der Einkaufstüten.


Laut Empfehlung der WHO sollten Erwachsene mindestens:

  • 150 Minuten pro Woche moderate körperliche Aktivität oder

  • 75 Minuten pro Woche intensive körperliche Aktivität oder

  • eine angemessene Kombination aus beidem

durchführen, um die Risiken durch körperliche Inaktivität zu senken und die Gesundheit zu erhalten. Bei der moderaten Aktivität sollte im Gegensatz zur intensiven Bewegung eine Unterhaltung noch möglich und die Herzfrequenz nur leicht erhöht sein. Außerdem sollte zwei Mal wöchentlich eine Muskelkräftigung der großen Muskelgruppen durchgeführt werden.


Wer jedoch darüber hinaus weitere positive Gesundheitseffekte erzielen möchte, sollte seinen Bewegungsumfang und die -intensität über dieses Mindestmaß hinaus steigern. Dabei ist es empfehlenswert den Körper in allen fünf motorischen Hauptbeanspruchungsformen (Kraft, Ausdauer, Koordination, Flexibilität, Schnelligkeit) zu fordern.


Warum hatten die Menschen früher keinen Bewegungsmangel?

Früher war es für die Menschen überlebenswichtig körperlich aktiv zu sein. Sie mussten Landwirtschaft betreiben, sich das Haus selbst bauen oder zu Fuß von A nach B gehen, um Besorgungen zu erledigen. So mussten die Menschen zum Teil täglich hohe körperliche Anforderungen bewältigen. Anatomisch und physiologisch ist der Körper auch genau dazu ausgelegt.


Das Problem in der heutigen Zeit: Die zahlreichen technologische Fortschritte, die uns das Leben “erleichtern” sollen, nehmen uns einen Großteil der körperlichen Anforderungen ab. Der menschliche Körper hat sich allerdings nicht verändert. Dieser benötigt weiterhin ein gewisses Maß an Beanspruchung, um gesund zu bleiben, denn sonst baut er ab.


Durch Büroarbeit und Homeoffice wird die Bewegung im Alltag auf ein Minimum reduziert. So verbringen die meisten Menschen einen Großteil ihres Tages (zwangsweise) sitzend: Wir fahren mit dem Auto ins Büro, sitzen acht Stunden am Schreibtisch, fahren mit dem Auto wieder heim und setzen uns auf die Couch, um uns von dem anstrengenden Arbeitstag zu erholen. Oder wir gehen im Homeoffice direkt vom Frühstückstisch an den Arbeitsplatz ohne das Haus zu verlassen. Laufen, sich bewegen und körperliche Anstrengung sind für das Überleben nicht mehr notwendig. Daher ist es umso wichtiger, dass wir uns selbst, um einen bewegungsaktiveren Lebensstil kümmern.


Wie wirkt sich ein aktiver und sportlicher Lebensstil auf den Körper aus?

Studien zufolge kann eine regelmäßige körperliche Bewegung vor über 25 chronischen Krankheiten vorbeugen. Hier sind die wichtigsten positiven Auswirkungen von körperlicher Aktivität und sportlicher Betätigung aufgeführt:

  • Verbesserung des Herz-Kreislauf-Systems (Risikoreduktion von Herz- oder Gefäßerkrankungen, wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck)

  • Verbesserung des Stoffwechsels (Risikoreduktion von Diabetes mellitus Typ II und Erhöhung der Insulinsensitivität)

  • Prävention vor Adipositas

  • Gesunderhaltung des Bewegungsapparates (Risikoreduktion von Osteoporose sowie Rückenbeschwerden)

  • Stressreduktion und Burnout-Prävention

  • Verbesserung der psychischen Gesundheit und Vermeidung von Depressionen

  • Erhöhung der Lebensqualität und des körperlichen Wohlbefindens

  • Präventive Verbesserung der Mobilität und Selbstständigkeit im Alter (verbesserte Sturzprävention und Kognition)

  • Risikoreduktion bestimmter Krebsarten, wie Brust- und Darmkrebs

Einfache Tipps für ein aktiveres Leben

  • Jede halbe Stunde ein Mal aufstehen und ein paar Schritte gehen oder den Körper durch bewegen

  • Der Beruf ist sehr bewegungsarm? Dann aktive Hobbies suchen

  • Nicht nur der Sport zählt, sondern jede Alltagsbewegung: Treppe nehmen, nicht direkt vor dem Supermarkt-Eingang parken, mit der Freundin statt Kaffee trinken spazieren gehen

  • Nach einem stressigen Tag, statt auf die Couch zu legen, erstmal eine Runde um den Block gehen, das ist auch für den Stressabbau effektiver

  • Beim Telefonieren durch die Wohnung gehen

  • Sport und Bewegung bereits bei der Tagesplanung berücksichtigen und einplanen.

  • Bewegung soll Spaß machen. Quälen sie sich nicht zu Aktivitäten, die Sie nicht mögen.

  • Allgemein gilt: Jede Bewegung ist besser als keine Bewegung!

 

Literatur

BISp (2020). Der Beitrag des Sports zur Erfüllung der WHO-Empfehlungen für körperliche Aktivität. Mainz: 2MHforum.

BZgA (2017). Nationale Empfehlung für Bewegung und Bewegungsförderung. Zugriff unter https://www.in-form.de/fileadmin/Dokumente/Materialien/Nationale_Empfehlung_fuer_Bewegung-und-Bewegungsfoerderung_BZgA_2017.pdf

Hausblas, H. A. (2017). Exercise psychologie: Physical activity and sedentary behavior. Burlington: Jones & Bartlett Learning.

Huber, G. (2015). Vom Verschwinden der Bewegung. Wer läuft, lebt länger. Gesund & Krank, 6. Universität Heidelberg.

Robert Koch-Institut (2003). Bundesgesundheitssurvey: Körperliche Aktivität. Zugriff unter https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/koerperliche_aktivitaet.pdf?__blob=publicationFile

WHO (2010). Global recommendations on physical activity for health. Geneva: World Health Organisation.

WHO (2020). 10 key facts on physical activity in the WHO European Region. Zugriff unter https://www.euro.who.int/en/health-topics/disease-prevention/physical-activity/data-and-statistics/10-key-facts-on-physical-activity-in-the-who-european-region.


Bildquelle: pixabay.com

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